Gesellschaft zu kritischer Reflektion anregen

Zu deutschen und europäischen Kolonialgeschiche sprach der bildungspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Tobias von der Heide heute im Landtag:

Sehr geehrter Herr Landtagspräsident,
sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

die Bedeutung des Kolonialismus wurde lange für unsere Gesellschaft unterschätzt. Der deutsche und auch der europäische Kolonialismus sind ein Ausdruck von Gewalt.

 

Sehr geehrter Herr Landtagspräsident,
sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

die Bedeutung des Kolonialismus wurde lange für unsere Gesellschaft unterschätzt. Der deutsche und auch der europäische Kolonialismus sind ein Ausdruck von Gewalt.

Im vergangenen Jahr hat unser Ministerpräsident Daniel Günther bei seinem Besuch in Namibia das ausgesprochen, was bis 2015 nicht anerkannt wurde. Die deutschen Kolonialtruppen haben aus heutiger Perspektive einen Völkermord - einen Genozid - an den Herero und Nama verübt. Deutschland trägt eine historische Bürde und ich kann es wirklich nur jedem nahe legen sich mit diesem historischen Kapitel der Grausamkeit auseinanderzusetzen. Denn so wurden auch unzählige Menschen Medikamententests und Infektionen zugunsten von deutschen Forschungen unterzogen. Es kam zur Menschenjagd und zahlreichen Entwendungen von Gebeinen und Schädeln zum Zwecke der Rassenforschung an deutschen und europäischen Forschungseinrichtungen. Noch immer ruhen in zahlreichen Museen oder auch Forschungseinrichtungen menschliche Überreste, welche zum Zwecke der Rassenforschung ihren Weg hierher gefunden haben. Die Bundesregierung arbeitet hier bereits seit einigen Jahren an einer Aufarbeitung und an bestehenden Rückgabeforderungen. Und ja!, es gibt auch eine schleswig-holsteinische Verantwortung. Dazu müssen wir uns bekennen.

Dazu gehört es auch, dass wir uns kritisch dem Thema der „Aufarbeitung der Europäischen und Deutschen Kolonialgeschichte in Schleswig-Holstein“ widmen. Ich möchte dem Bildungsministerium für diese aufschlussreiche Antwort und dem SSW für die Große Anfrage danken.

Eindrücklich wird dargestellt wie bereits heute sich dem Thema von Kolonialismus und seinen Folgewirkungen in verschiedenen Bereichen gewidmet wird. Wir kümmern uns bereits um das Thema, aber ist das schon genug? Um es konkret zu machen:

Kolonialgeschichte soll auch in der Schule eine Rolle spielen. Ich würde mir wünschen, dass auch zukünftig Lehrkräften regelmäßig Fortbildungen zur Deutschen Kolonialgeschichte angeboten werden. Unsere Hochschulen bieten bereits heute zahlreiche relevante Forschungsansätze an.

Das vom Bund finanzierte Projekt „Zwischen Kolonialismus und Weltoffenheit“ hat einen wichtigen Grundstein für eine museale und forschungsrelevante Vernetzung geschaffen. Wir befinden uns in Schleswig-Holstein in einer ersten grundlegenden Aufarbeitungsphase. Aber es werden weitere Schritte erforderlich sein werden, um eine umfassende Provenienzforschung für unsere Bestände durchzuführen. In der Antwort der Landesregierung wird auch deutlich, dass die Stichproben ergeben haben, dass die Sammlungsbestände zu einem großen Teil aus privaten Sammlungen stammen und nicht von deutschen Forschungsexpeditionen. Dabei sind nur wenige Objekte als sensibel eingestuft worden. Dennoch gilt bei jedem Verdachtsmomenten, dass die Provenienz geprüft werden sollte. Ich würde es gut finden, wenn wir uns im Bildungsausschuss zu Beginn 2021 den Projektabschluss und auch die geplante Wanderausstellung noch einmal vorstellen lassen, um auch als Land dieses Thema weiterhin positiv zu begleiten. An dieser Stelle sind wir als Politik gefragt, um dem Thema auch ein entsprechendes Gewicht zu verleihen.

Und selbstverständlich sollten wir uns mit Blick auf Kolonialismus auch mit der Benennung von Straßennamen und Statuen beschäftigen. Und ja, Otto von Bismarck und Winston Churchill hatten eine problematische Einstellung zum Kolonialismus. Aber Geschichte ist komplex. Ich halte wenig von der Umbenennung von Straßen. Diese Themen sollte man öffentlich kenntlich machen und kontextualisieren. Eine Verbannung aus dem öffentlichen Raum würde dazu führen, dass die Gesellschaft auch nicht mehr zu kritischen Reflektionen angeregt werden würde. Das können wir nicht wollen.

Rassismus ist in der Gesellschaft sehr präsent. Jeder von uns ist gefragt sich entschieden gegen Rassismus zu stellen. Die letzten Tage und Wochen haben uns verdeutlicht, dass wir über die Ursachen von Rassismus intensiver sprechen sollten. Als Landtag haben wir den Landesaktionsplan gegen Rassismus auf den Weg gebracht, den wir gerade entwickeln. Wir bleiben also an diesem wichtigen Thema dran.

Danke für die Aufmerksamkeit.

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