Der Ausbau der Schulsozialarbeit ist uns wichtig

Zur heutigen Sitzung des Schleswig-Holsteinischen Landtag sprach der bildungspolitishe Sprecher der CDU-Landtagsfraktion Tobias von Heide im Plenum:

Zur heutigen Sitzung des Schleswig-Holsteinischen Landtag sprach der bildungspolitishe Sprecher der CDU-Landtagsfraktion Tobias von Heide im Plenum:

Sehr geehrter Herr Landtagspräsident,
sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

Kinder und Jugendliche stehen durch Corona unter Druck. Das Leben hat sich auf den Kopf gestellt. Schule hat über längere Zeit als Distanz- und Wechselunterricht stattgefunden. Man konnte seine Klassenkameraden nicht sehen und wenn das möglich war nur unter strengen Hygieneregelungen. Man soll Abstand zu seinen Freunden halten. Man trägt eine Maske und kann sich nicht vollständig ins Gesicht sehen. Es ist ungewohnt, unbequem und fremd im Vergleich zu der Situation vor Corona. Auch wenn Schule mittlerweile fast überall wieder in Präsenz stattfindet, fehlt immer noch vieles, was Kindheit und Jugend auszeichnet. Mannschaftssport und das Singen im Chor fällt am Nachmittag aus. Abends zusammen in den Club oder auf ein Konzert gehen findet nicht statt. Ganze Lebensereignisse wie die Feier zum 18. Geburtstag oder der eigene Ball zum Schulabschluss fallen aus.

Wir haben hier im Plenum schon häufiger über Lernrückstände von Schülerinnen und Schülern gesprochen und es ist richtig, dass wir mit zusätzlichen Lern- und Nachhilfeangeboten das versäumte Lernen auch angehen wollen. Aber meine Aufzählung hat versucht deutlich zu machen: Eine Kindheit und Jugend unter Corona-Bedingungen kann sehr beschwerlich sein und kann erhebliche Auswirkungen auf die sozialen und persönlichen Empfindungen von Kindern und Jugendlichen haben. Dabei sei aber auch gesagt: Kinder und Jugendliche gehen mit der neuen Situation unterschiedlich um. Nicht für jeden sind die Corona-Bedingungen ein Problem. Aber das gilt eben nicht für alle.

Die Motivation des Antrags der SPD und des SSWs ist richtig. Wir müssen Angebote in der Schule schaffen, die nicht nur auf Lernrückstände zielen, sondern auch emotionale Auswirkungen berücksichtigen. Das haben wir als Land auch schon getan. Zum Beispiel mit dem Lernsommer im vergangenen Jahr, der sehr bewusst nicht allein auf Unterrichtsangebote gesetzt hat. Oder die Aufstockung des Vertretungsfonds, der auch zusätzliche Kräfte für die Schulassistenz ermöglicht hat.

Mit Unterstützung des „Aktionsprogramms Aufholen“ des Bundes gehen wir noch einen Schritt weiter und werden die Unterstützungsmaßnahmen erheblich ausweiten. Dabei ist Schulsozialarbeit mit Sicherheit ein wichtiger Aspekt. Das darf aber nicht der einzige Punkt sein. Wir müssen die Aufstockung des Vertretungsfonds fortsetzen. Wir müssen wieder Ferienangebote schaffen, die zum Beispiel auch auf kulturelle Bildung und Interaktion setzen. Und wir sollten das Freiwillige Soziale Jahr in Schule ausweiten. Daneben wissen wir heute schon, dass es auch Fälle unter Kindern und Jugendlichen gibt, die über eine soziale Belastung hinausgehen und eine psychische Erkrankung darstellen. Das sollten wir nicht verharmlosen und schnellstmöglich Programme der Frühintervention und Prävention auf den Weg bringen. Will sagen, ein Pakt allein für Schulsozialarbeit reicht nicht aus. Wir müssen uns spezifischer um die besonderen Problemlagen von Kindern und Jugendlichen kümmern. Das geht am besten mit multiprofessionellen Teams, die die Schüler genau da unterstützen, wo sie Hilfe und Unterstützung brauchen.

Dennoch Schulsozialarbeit ist auch über die Corona-Zeit hinaus ein wichtiges Thema, um das wir uns stärker kümmern müssen. An vielen Schulen bestand auch vor Corona der Wunsch die Schulsozialarbeit deutlich auszuweiten. Das Land und die Kommunen kümmern sich gemeinsam schon heute um dieses wichtige Thema. Ungefähr 18 Millionen Euro stellen wir allein als Land für diese Aufgabe zur Verfügung. Man kann also nicht sagen, das Land kümmert sich überhaupt nicht um diese Aufgaben. Trotzdem brauchen wir eine gute Grundlage, um über die Perspektiven der Schulsozialarbeit nachzudenken. Dazu brauchen wir eine Bestandsaufnahme, die uns die aktuelle Situation genau beschreibt. Und wir sollten uns mit den kommunalen Landesverbänden über einen gemeinsamen Orientierungsrahmen zu diesem Thema verständigen. Das ist wichtig, um schließlich zu bestimmen, in welche Richtung wir die Schulsozialarbeit gemeinsam weiterentwickeln wollen. Das Thema muss uns also wichtig sein und das nicht nur zu Zeiten von Corona.

Danke, dass Sie mir zugehört haben.

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